Ziemlich genau jetzt habe ich die Hälfte meines TLV-knapp-Jahres hinter mir, bzw. vor mir. Die Zeit rast und seit drei Monaten ist ein Eintrag fällig. Das Praktikum habe ich ebenfalls erfolgreich hinter mir, die Wohnung ist top, der Mitbewohner ebenfalls, noch bis Anfang Februar kann ich da hausen, danach heisst's wieder: Zimmersuche! Echt schade, gerade lebe ich mich so richtig hier ein. Zur Zeit habe ich eine Ramallah-Phase, fahre so oft wie möglich dahin, eine tolle Stadt aber eben auch eine Bubble, genau wie TLV. Farbiges arabisches Leben, grosser Shuk, laut wird geschrien, wer die besten und grössten Tomaten hat. Das Zentrum der Stadt ist ein Kreisel mit drei Löwendenkmalen, das ist auch gerade die grösste Touristenattraktion, ansonsten sind gerade Bauarbeiten, die Strassen staubig, aufgerissen, es wird mitten im Gemänge gebaut, junge Frauengruppen gehen shoppen, Männer trinken stehend Kaffee, Cafes zum sitzen gibt's wenig. Letztens hat das Goethe-Institut Ramallah zusammen mit dem Französischen Kulturzentrum einen Weihnachtsmarkt organisiert. Viele muslimische Kids kamen zum Weihnachtskugeln basteln, Der Regenbogenfisch auf arabisch und deutsch hören, Crepes essen und zum Schluss kam auch der Weihnachtsmann höchstpersönlich und hat Deutsche Schokolade verteilt. Zusammen mit Na'ame, einem muslimischen Teenager habe ich das Basteln geleitet, mit viel Gestik und Mimik versucht auf arabisch zu kommunizieren, aber Kids verstehen ja alle Sprachen der Welt! Abends wird im Cafe live Musik gespielt und viel geraucht, auch in den Büros wird geraucht und gequalmt was das Zeug hält. Am nächsten Tag gings zurück nach Jerusalem mit dem Sherut, am Checkpoint wird man gerne mal 30 Minuten in der Kälte stehen gelassen, da immer nur 3 Personen durch den Checkpoint gelassen werden, Gepäckkontrolle, Pass zeigen. Was aber am meisten einfährt ist die Mauer. Kilometerlang, fast vier Meter hoch mit Maschendrahtzaun zieht sich die Mauer der Westbank entlang. Graffitis zieren das Gemäuer eindrücklich, israelisches Miliz und Security stehen breitbeinig davor und halten alle Sheruts an, jeder muss aussteigen und durch den Checkpoint, Frauen, Kinder, alte Männer, Arbeiter, Touristen..
Es hat gestürmt, ein riesiger Sturm ging über das Land, alle Strände wurden beschädigt, das Sherut, das nach Haifa fahren sollte ist dermassen gerast, dass ein Reifen geplatzt ist. Ein Mädchen im Sherut musste ausgerechnet im grössten Sturm mitten im middle of nowhere aussteigen und in Feld und Sturm pipi machen, hat eewig gedauert, dann hat sie das ganze Sherut verdreckt, die Fahrt hat echt ewig gedauert. In Haifa, was ja an Hängen liegt kamen regelmässig Äste entgegen geflogen, die Fenster haben gerüttelt als wären sie auch billigem Blech, das Land ist nicht gemacht für stürmiges Wetter, die Mauern sind zu dünn für den Winter, halten keine Wärme und überall tröpfelt der Regen herein. Zum Glück hat's nur drei Tage gestürmt, seither ist's wieder warm, als wäre nichts geschehen.
Das Feuer in Haifa hat fast einen Viertel des Waldes abgebrannt, lichterloh rot war das Feuer am Horizont zu sehen, erzählt Lena. Jeder Baum wurde eigenhändig gepflanzt und stand unter Naturschutz. Einer der wenigen Wälder über die Israel überhaupt verfügt.
Weihnachten in Tel Aviv ist ziemlich absurd. Ich habe mit Yoav, meinem Mitbewohner von morgens um 11h bis abends vorbereitet, eingekauft, das Haus geschrubbt, gekocht, dekoriert. Weihnachtsdeko habe ich in Ramallah gefunden, etwas amerikanisch zwar. Wir waren das einzige Haus in der Mizrahi-Strasse mit einer weihnachtlichen Lichterkette. Es war als ob wir Weihnachten spielten. Yoav hat toll mitgespielt! Ich habe Fondue gemacht, moité-moité Emmentaler-Gruyer, gut gelungen. Eine Deutsche ansonsten waren alles nur israelische Gäste, ich habe tatsächlich gar nicht so viele ausländische Freunde hier.. Die haben das Essen genossen, essen das können sie, so schnell war alles wegschnabuliert. Getrunken wurde nicht viel, doch die Stimmung war gut. Ich habe vorgezeigt, wie man Fondue isst und viel Schokolade und Lebkuchen aus der CH verteilt. Schon bald feiere ich mein zweites Neujahr in TLV, genau vor einem Jahr bin ich hierher gefahren, um dieses Jahr zu organisieren.. Revival und dann ich auch meine Family da!
Die nächsten Reiseziele heissen Beirut, Libanon und Damaskus, Syrien im März mit Erik.