Freitag, 27. August 2010

Adi

Eigentlich war ich ganz zufrieden mit meiner Situation, ich habe ein mini-kleines Zimmer mit Balkon, mit Adi fuhr ich nach Raanana hinten auf dem Scooter, wirklich ein Abenteuer, da die Israelis wie die wilden fahren, besonders die Scooter im Slalom durch die Autos, laut hupend nicht im Sinne von Hey! du Ar**och!! Sondern im Sinne AUS DEM WEG, ICH KOMME!! Also nach einer halbstündigen Scooterfahrt auf der Autobahn hält Adi plötzlich auf dem Pannenstreifen an. Ein VW Bus steht da und ein Typ lädt ein Mofa von der Strasse in den Kofferraum. Ohne ein Wort zu sagen, marschiert er auf den Typen zu und klärt ab, ob er dieses Mofa gerade klaut oder was das soll, hier mitten in der Nacht Mofas aufzuladen. Es stellt sich heraus, dass es sein Mofa ist, Adi beruhigt sich schnell wieder und fährt weiter. "Zuerst dachte ich das sei ein Araber, aber als ich ihn sah, wusste ich sofort das war ein Jude, also kein Problem", war seine Erklärung.

Alles klar, ich bin in einem jüdischen Haus gelandet, also sind die Araber verhasst. Ob er überhaupt einen Araber persönlich kennt ist fraglich.. Natürlich sind auch die Araber schuld, wenn Adi in ganz Jaffo herumrennt und in jedem Imbissladen nach braunem Brot fragt, alle werden wütend, besonders Adi, interessant zu sehen, wie ganz Jaffo eine grosse Familie ist. Es ist möglich das Brot dort zu holen, nebenan zubereiten zulassen und vis à vis zu essen.

Nach gut einem Monat wurde mein Loch in der Wand noch immer nicht geflickt, geschweige denn eine Türe montiert. Adi kam zu mir und sagte, komm Nomi ich habe einen Türrahmen gefunden! Wir steigen auf den Scooter und kramen aus einer Mülltonne in Jaffo einen uralten Türrahmen. Adi schlägt die drei Teile mit dem Hammer in voller Lautstärke auseinander, einige Jugendliche schauen uns interessiert zu. Dann kleben wir die drei Teile zusammen und fahren damit zurück in die Florentinerwohnung. Nächste Woche werde ich dir die Türe fixieren, sagt Adi.. Das ist jetzt schon zwei Wochen her und seitdem hat er meinen kleinen Balkon völlig zerstört, weil er in seine Zimmerwand ein Fenster eingebrochen hat. Der Schutt verstreut auf meinem Balkon. Dazu holt er sich immer einen Arbeiter von der Strasse. Die Strassen im Süden Tel Avivs sind voll von Syriern, Eritraer, Arbeitslose, die Tag ein Tag aus auf der Strasse warten und rumhängen, bis ein Israeli sie ins Auto lädt und sie als Tagelöhner anstellt. Alles findet man in Tel Avivs Strassen: billige Arbeitskräfte, Möbel und tausende Katzen..

Letztens sah ich ein schönes rotes Bett auf der Strasse. Sofort rief ich Adi an, ich habe ein Bett gefunden! Zusammen trugen wir das Bett drei Stockwerke hoch in mein Zimmerchen. Endlich ein Bett und nicht mehr mit der philippinischen Freundin Adis auf einer Matratze schlafen! Da es tatsächlich in meinen 7qm eine Dusche hat, muss ich jetzt immer das Bett rumschieben, wenn ich duschen oder auf den Balkon gehen will. Doch mein Fund hat sich als Reinfall herausgestellt, hätte ich mir ja auch denken können. Die Matratze des Bettes war voll mit Bettläusen. Sie haben meine ganzen Unterarme verbissen. Da hab ich das Bett auf den Balkon gestellt, möglichst weit weg von meinen Kleidern. Nach zwei Tagen stand das Bett in Adis Zimmer. "Ich glaube nicht, dass darin irgenwelche Insekten hausen." Zum Glück hat mir ein guter Freund zwei bequeme Matratzen organisiert..

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