Donnerstag, 27. Januar 2011

Dorit
In diesem Turm an der Grenze zu Ägypten sitzt ein ägyptischer Häftling seine Strafe ab. Zwei Monate verbringt er in seiner Quadratmeterzelle 30m über dem Boden, pinkelt in eine Petflasche und winkt den Touristen auf dem Aussichtsturm.  Eylat auf der anderen Seite, eingeklemmt zwischen Jordanien und Ägypten am Horizont Saudiarabien.

Sonntag, 26. Dezember 2010

Halbzeit

Ziemlich genau jetzt habe ich die Hälfte meines TLV-knapp-Jahres hinter mir, bzw. vor mir. Die Zeit rast und seit drei Monaten ist ein Eintrag fällig. Das Praktikum habe ich ebenfalls erfolgreich hinter mir, die Wohnung ist top, der Mitbewohner ebenfalls, noch bis Anfang Februar kann ich da hausen, danach heisst's wieder: Zimmersuche! Echt schade, gerade lebe ich mich so richtig hier ein. Zur Zeit habe ich eine Ramallah-Phase, fahre so oft wie möglich dahin, eine tolle Stadt aber eben auch eine Bubble, genau wie TLV. Farbiges arabisches Leben, grosser Shuk, laut wird geschrien, wer die besten und grössten Tomaten hat. Das Zentrum der Stadt ist ein Kreisel mit drei Löwendenkmalen, das ist auch gerade die grösste Touristenattraktion, ansonsten sind gerade Bauarbeiten, die Strassen staubig, aufgerissen, es wird mitten im Gemänge gebaut, junge Frauengruppen gehen shoppen, Männer trinken stehend Kaffee, Cafes zum sitzen gibt's wenig. Letztens hat das Goethe-Institut Ramallah zusammen mit dem Französischen Kulturzentrum einen Weihnachtsmarkt organisiert. Viele muslimische Kids kamen zum Weihnachtskugeln basteln, Der Regenbogenfisch auf arabisch und deutsch hören, Crepes essen und zum Schluss kam auch der Weihnachtsmann höchstpersönlich und hat Deutsche Schokolade verteilt. Zusammen mit Na'ame, einem muslimischen Teenager habe ich das Basteln geleitet, mit viel Gestik und Mimik versucht auf arabisch zu kommunizieren, aber Kids verstehen ja alle Sprachen der Welt! Abends wird im Cafe live Musik gespielt und viel geraucht, auch in den Büros wird geraucht und gequalmt was das Zeug hält. Am nächsten Tag gings zurück nach Jerusalem mit dem Sherut, am Checkpoint wird man gerne mal 30 Minuten in der Kälte stehen gelassen, da immer nur 3 Personen durch den Checkpoint gelassen werden, Gepäckkontrolle, Pass zeigen. Was aber am meisten einfährt ist die Mauer. Kilometerlang, fast vier Meter hoch mit Maschendrahtzaun zieht sich die Mauer der Westbank entlang. Graffitis zieren das Gemäuer eindrücklich, israelisches Miliz und Security stehen breitbeinig davor und halten alle Sheruts an, jeder muss aussteigen und durch den Checkpoint, Frauen, Kinder, alte Männer, Arbeiter, Touristen..
Es hat gestürmt, ein riesiger Sturm ging über das Land, alle Strände wurden beschädigt, das Sherut, das nach Haifa fahren sollte ist dermassen gerast, dass ein Reifen geplatzt ist. Ein Mädchen im Sherut musste ausgerechnet im grössten Sturm mitten im middle of nowhere aussteigen und in Feld und Sturm pipi machen, hat eewig gedauert, dann hat sie das ganze Sherut verdreckt, die Fahrt hat echt ewig gedauert. In Haifa, was ja an Hängen liegt kamen regelmässig Äste entgegen geflogen, die Fenster haben gerüttelt als wären sie auch billigem Blech, das Land ist nicht gemacht für stürmiges Wetter, die Mauern sind zu dünn für den Winter, halten keine Wärme und überall tröpfelt der Regen herein. Zum Glück hat's nur drei Tage gestürmt, seither ist's wieder warm, als wäre nichts geschehen.
Das Feuer in Haifa hat fast einen Viertel des Waldes abgebrannt, lichterloh rot war das Feuer am Horizont zu sehen, erzählt Lena. Jeder Baum wurde eigenhändig gepflanzt und stand unter Naturschutz. Einer der wenigen Wälder über die Israel überhaupt verfügt.
Weihnachten in Tel Aviv ist ziemlich absurd. Ich habe mit Yoav, meinem Mitbewohner von morgens um 11h bis abends vorbereitet, eingekauft, das Haus geschrubbt, gekocht, dekoriert.   Weihnachtsdeko habe ich in Ramallah gefunden, etwas amerikanisch zwar. Wir waren das einzige Haus in der Mizrahi-Strasse mit einer weihnachtlichen Lichterkette. Es war als ob wir Weihnachten spielten. Yoav hat toll mitgespielt! Ich habe Fondue gemacht, moité-moité Emmentaler-Gruyer, gut gelungen. Eine Deutsche ansonsten waren alles nur israelische Gäste, ich habe tatsächlich gar nicht so viele ausländische Freunde hier.. Die haben das Essen genossen, essen das können sie, so schnell war alles wegschnabuliert. Getrunken wurde nicht viel, doch die Stimmung war gut. Ich habe vorgezeigt, wie man Fondue isst und viel Schokolade und Lebkuchen aus der CH verteilt. Schon bald feiere ich mein zweites Neujahr in TLV, genau vor einem Jahr bin ich hierher gefahren, um dieses Jahr zu organisieren.. Revival und dann ich auch meine Family da!
Die nächsten Reiseziele heissen Beirut, Libanon und Damaskus, Syrien im März mit Erik.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Auszug

Herzl 20
So langsam aber sicher könnte ich tatsächlich ein Buch schreiben, mein Abenteuer nimmt kein Ende. Letzte Woche habe ich versucht auszuziehen. Eine gar nicht so einfache Sache. Ich erhielt letzten Montag eine Zusage für ein tolles Zimmer, wirklich hübsch mit Fenstern und Türen, alles sauber montiert. Also habe ich Adi angekündigt, dass ich ausziehen werde und zwar am nächsten Tag. Alles war etwas kurzfristig, doch da ich sowieso keinen Vertrag hatte und mich auch nicht allzusehr verpflichtet fühlte Adi auf meinen Auszug seelisch vorzubereiten, habe ich ihn erst in Kenntnis gesetzt als meine nächste Bleibe gesichert war. Er ist darauf ziemlich ausgerastet. Sowas habe ich noch nie erlebt. Die Sache kam für ihn sehr unerwartet. Dass in zwei Tagen die Miete fällig sei, sagt er. Nun ja, ich habe ein Zimmer gefunden und ich ziehe morgen aus. Was?! Das geht nicht, so kurzfristig kannst du nicht ausziehen. Ich muss ja noch das Zimmer fertig reparieren für einen Nachfolger! Naja dafür hättest du ja zwei Monate Zeit gehabt, ich ziehe morgen aus. Auf keinen Fall! Du zahlst mir mindestens 2 Wochen Miete, jetzt. 500 Shekel bar auf die Hand, ich mache gleich einen Vertrag! Adi, ich unterzeichne jetzt sicher keinen Vertrag, ich ziehe morgen aus, das hättest du früher machen sollen.
Dann ist er völlig durchgeknallt und sagte: Ach du ziehst morgen aus, ja wie denn? Gib mir deine Schlüssel. Nein ich gebe dir meine Schlüssel nicht, ich muss morgen alle meine Sachen noch aus der Wohnung holen. Nein du gibst mir jetzt die Schlüssel, sofort! Nein. Gut, dann schliesse ich jetzt die Wohnung ab und kannst selber sehen wie du ausziehen willst.
Er schloss die Wohnungstüre und stand davor. Eine absurde Situation, eingeschlossen in der eigenen Wohnung, er liess mich tatsächlich nicht mehr raus. Ich kriege langsam Panik und beginne ihn anzuschreien, er solle sofort die Tür öffnen! Nichts zu machen, körperlich ist er mir überlegen und ich beginne zu hyperventillieren. Eine grauenhafte Situation, nicht dass er mir was physisch angetan hätte, aber Frauen einsperren am helllichten Tag, aufgrund von Geld, das macht mich doch etwas nervös. Ich bin dann zurück ins Zimmer und habe einen Freund angerufen, der glücklicherweise tagtäglich im Café um die Ecke sitzt. Von meinem Balkon aus schreie ich ihm zu, er soll mich hier rausholen, ich sei eingesperrt. Tatsächlich kann er reinkommen und sagt: Pack sofort deine Sachen und schmeiss die Matratzen vom Balkon herunter. Gesagt getan, 10 Minuten später steige ich in ein Taxi mit einem verblüfften Taxifahrer: Balagan? Chaos? , und wie!
Ich konnte meine Sachen im neuen Zimmer unterbringen und zwei Tage bei Freundinnen verbringen. Seitdem habe ich mich da nicht mehr blicken lassen und versuche meine Flucht zu verarbeiten und mich im neuen Zimmer einzuleben.
Ich wohne immer noch im gleichen Quartier, in Florentin. Jetzt zusammen mit Yoav, einem Psychologiestudenten. Da seine Freundin für ein Semester in Jerusalem studiert, wurde ein Zimmer frei. Drei süsse kleine Katzen gehören zum Inventar, vor zwei Tagen haben sie auf mein Bett gepisst, schöne Sauerei! Die kleinen Teufel werden zu Engeln sobald sie zu dritt eingekuschelt eindösen.
Nun versuche ich mich hier neu zu orientieren, mein Alltagsleben neu zu gestalten. Seit gestern habe ich sogar ein Fahrrad. Ebenfalls eine grosse Herausforderung ständig auf dem Trottoire zu fahren und den Fussgängern auszuweichen. Auf der Strasse zu fahren ist wirklich unmöglich, ein dicker Bus hupt nur und rechnet automatisch damit, dass ich an die Seite fahre, wenn nicht, Pech gehabt! Ich begnüge mich also mit dem Trottoire, ohne gleichmässigen Fahrfluss, dafür aber mit höherer Lebenswahrscheinlichkeit.
Morgen fahre ich für drei Tage ans In-D-Negev Festival, ein alternatives Musikfestival mitten in der Wüste. Nächste Woche kommt ein Gastspiel aus Leipzig, wo ich in der Produktion mitorganisiert habe, es bleibt ein aktives Drunter und Drüber. Einzig beim Wäschewaschen gibt es etwas Ruhe. Am besten wäscht man in der Nacht in den 24h-Wäschesalons, wartet 45 Minuten, sitzt, liest, döst, und schleppt die frischen Kleider wieder nach Hause..

Freitag, 17. September 2010

September

Der Septembermonat ist wirklich ein verrückter Monat. Drei aus vier Wochenende bestehen aus Feiertagen "Rosh Hashana" (jüdisches Neujahr), "Jom Kipur" und "Sugot", jeweils werden bereits am Vorabend, also Do-Abend, manchmal schon am Mi-Abend, FR, SA jegliche Geschäfte geschlossen, nichts wagt sich auf die Strasse, sogar ausgestorbene Strände. Endlich sieht man weiter als eine Liegestuhllänge, schöne Weitsicht! Glücklicherweise gibt es noch die Araber, wo immerhin noch bei Fehlplanung des Essenvorräte ein Sandwich zu finden ist. Habe selten soviel Zeit zum Lesen gehabt, aber nach drei Wochenenden ohne Busse, Züge, Cafe, und sonstigen Vergnügungen, bleibt wirklich nur der Strand übrig. Die Sonne arbeitet glücklicherweise jeden Tag und wärmt treu die Gemüter. Wobei das Wetter nun langsam angenehm wird, die Feuchtigkeit nahm in den letzten Tagen deutlich ab. Seitdem ich im Goethe Institut als fleissige, doch unbezahlte Mitarbeiterin tätig bin, fühle ich mich hier tatsächlich auch als Teil dieser Stadt, der aktiv mitgestalten kann. Ein schönes Gefühl, nicht mehr nur konsumierender Tourist zu sein, sondern tatsächlich eine Aufgabe zu erfüllen. Wunderbare neue Erlebnisse erheitern hier auch die tägliche Arbeit, die Kulturarbeit mit Israelis ist doch ein bisschen anders, als in der förmlichen Schweiz. Auf nichts ist Verlass, und es herrscht eine unkomplizierte, spontane Arbeits- und Umgangsweise. Nur nicht zuviel, zugenau durchplanen, sondern immer auch Raum für Flexibilität lassen. Ob eine Performance stattfinden wird, kann gerne auch erst eine Woche vorher entschieden werden. Wenn ein 4-Personen-Taxi bestellt wird, fährt ein 40-Personen-BUS vor. Der Taxifahrer entpuppt sich als untauglich, ich musste ihm den Weg weisen, natürlich auf hebräisch. Doch sind die Leute immer sehr freundlich, sagen gerne "hacol beseder" alles gut, doch bleibt stets für strukturierte, schweizerverhältnisse ein gewisses unsicheres Bauchgefühl zurück, was wohl das "hacol beseder" wirklich bedeutet. Besser vor Ort mitmischen, als am Schreibtisch Entscheidungen treffen.
Fortsetzung meiner Wohnsituation. Seit einigen Tagen besucht  mich ein Freund. Vier Nächte hat er ausgehalten, danach war die Stimmung dermassen im Eimer, dass er sich ein Hostel nehmen musste. Eine mir sehr unangenehme Situation, da doch mein lieber Herr Hauptmieter Adi, ständig von meinem Freund Geld verlangt hat und einen Beitrag für das Haus.. Dabei schlief er doch ständig in meinen 7 Quadratmetern, auf meiner Matratze und war stubenrein. Der Streit gipfelte, dann darin, dass ich nach mehrmaligen Interventionen meinerseits, "meine Gäste zahlen hier nichts für das Wohnen" Adi mich tatsächlich gewagt hat zu erinnern, dass ich hier schliesslich ein "single room" miete, nicht "double room"! OH! Wie konnte ich dies vergessen, Adi, ich dachte wirklich ich miete hier ein "double room", mit double bed und minibar und wann wird denn endlich die Türe zum Balkon montiert, die seit einem Monat mein Balkönli schmückt? Die beiden mittlerweile neuen Mitbewohner halten sich bescheiden aus dem Konfliktchen raus, ein Hacker, der das Haus geschweige denn den PC nicht verlässt und ein Mädchen, dass nicht sagen will woher sie kommt.
Nun, ich möchte an dieser Stelle alle Leser nochmals bekräftigen, mich trotzdem zu besuchen, denn in zwei Wochen ziehe ich hier aus, in ein neues, hoffentlich unkompliziertes, Zimmer, in der gleichen feurigen Nachbarschaft. Ausserdem menschelt es überall auf der Welt und besonders das Land der heissen Gemüter, ist ein Besuch wert. Ihr seit immer herzlich willkommen.
Morgen ist Jom Kipur, der Versöhnungstag, alle fasten, arbeiten nicht, fahren keine Autos, tragen kein Leder - also ein Tag des Fahrrads, bereits heute gab es viele Kinder auf der Strasse, die mit ihren brandneuen Dreiräder erste Fahrversuche starteten. süss!

Mittwoch, 1. September 2010

Ulpan

Die sieben Wochen Ulpan, Hebräischkurs an der Uni Tel Aviv sind auch schon bald durch, noch bis zum 7.9. Zu 70% Amerikaner sitzen in der Klasse und sprechen wirklich ein witziges Hebräisch. Die ersten paar Male habe ich kein Wort verstanden und das lag nicht an meiner Unkenntnis, sondern an deren Aussprache. Wirklich zum totlachen, und alle sind ca. 18 Jahre alt und wohnen in den Dorms. Man kann sich also vorstellen, welche Klassenlageratmosphäre da entwickelt wird. Sie klagen über Nachtruhe ab 22h, zu laute Nachbarn, eiskalte Klimaanlage. Nur 5 Personen wohnen nicht in den Dorms, sondern in der grossen Stadt, also in der grossen weiten Welt. Der Rest steckt sich in den Dorms mit Krankheiten an, Schnupfen, Husten, die Klimaanlage verbreitet wohl die Viren in sekundenschnelle. Dafür haben sie einen Pool und Fenster in den Wänden, was für ein Luxus. Samstags fahren hier bekanntlich keine Busse wegen Shabbat, also bleiben sie an ihrem freien Schultag auch in den Dorms, ganz oben im Norden Tel Avivs in Ramat Aviv.. Eben Schullagerfeeling. Die Kids sind aber alle sehr motiviert zum Hebräisch lernen und kommen meistens regelmässig in die Stunde. Letzte Woche war Uni-Ferien und der ganze Uni-Campus war geschlossen. Also sind wir 5oo Meter weiter in eine anderes Schulhaus umgezogen. Dort funktionierten natürlich die Klimaanlagen im Klassenzimmer nicht. Welche Katastrophe, alle haben geflucht und gestöhnt vor Hitze, die Lehrerin hat uns 15 Minuten früher gehen lassen und alle halbe Stunde mit dem Hauswart telefoniert. Keine Klimaanlage im Zimmer, ich war wohl die einzige die daran gewöhnt war. Das erste was ich zuhause mache, ist Kleider wechseln, damit ich die Hosen nicht vollständig verschwitze und am nächsten Tag nochmals tragen kann.

Nein, es geht mir hier wirklich gut und vielen Dank für alle Zimmersuch-Hinweise und guten Wünsche, aber ich habe mein Zimmer nochmals um einen Monat verlängert. Nach fünf sehr schrägen Zimmerschauen, habe ich vielleicht doch etwas Glück mit meinem Zimmer, keine Gurus, keine kläffende Hunde, keine urkomischen Gestalten als Mitbewohner, die voneinander nicht wissen, wer wann auszieht. Gestern habe ich mir einen Briefkasten aus Pappe gebastelt, da jemand meinen Brief geöffnet hat, mal sehen obs was bringt..

Das nächste Projekt heisst Velo-Kauf. Und heute habe ich mein Praktikum im Goethe Institut begonnen. Viele neue Gesichter und Namen, viel Arbeit und grosse Herausforderungen erwarten mich.

Freitag, 27. August 2010

Zimmer 2

Eine gute Freundin ist geschockt von meiner Wohnsituation, Freier? Bruchbude? Keine Klimaanlage bei dieser Hitze? Was du finanzierst Adi gleich mit, der bezahlt bestimmt keine Miete und kann sich dank dir ein tolles Leben leisten?! Sie erzählt meine Zimmerstory einer weiteren Freundin, sie lebt in Tel Aviv, ist aber Schweizerin. Diese erzählt meine Story ihrer Mitbewohnerin, sie ist geschockt und macht einen Posteintrag auf Facebook: Zimmergesucht für Freundin!! Prompt meldet sich Tal. Über drei Ecken erfahre ich von einem freien Zimmer in der Nähe Dizengoff im Zentrum Tel Avivs, eine gepflegte Nachbarschaft, keine Katzen, kein Müll auf der Strasse, viele Bäume, Ruhe, wie schöön.. fast wie in der Schweiz. Ich bin begeistert von seiner Wohnung, eine kleine 60er-Wohnung, mit farbigen Kacheln, ein riesiges, helles Zimmer. Die Wohnung gehört seiner Grossmutter, seine Familie kommt aus Polen, daher kann er hier wohnen, muss aber zwei Mitbewohner-Kandidaten seiner Familie vorschlagen, die dann entscheiden, wer einziehen darf. Toughes Familienbusiness. Seit drei Tagen hat er die Wohnung ausgeschrieben. 100 Interessenten, 30 davon waren in der engeren Auswahl, mich hätte er genommen. Auch er war geschockt von meiner Zimmerstory, sie ist eine gute Strategie, die Leute auf meine Seite zu bringen, es entsteht eine Mischung aus Mitleid und Spass an der Geschichte. Gut, ich komme morgen wieder und wir gehen zusammen den Vertrag durch, in hebräischer Sprache. Er erklärt mir Satz für Satz. Plötzlich kommen wir auf den Preis zu sprechen. 1500.- NIS ist echt billig für das tolle Zimmer! Was 1500.- NIS? Das Zimmer kostet 2000.- NIS plus Nebenkosten ca 400.- NIS. Hoppla, wir haben total vergessen über den Preis zu sprechen und irgendwie hatte ich 1500.- NIS im Kopf. Schade.